Harry the Boomer – Boomers Radioblog

Podcast
Die Menschen hinter den Mics
  • 2025_12_14_BoomersRadioblog
    112:19
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3 Std. 11:32 Min.
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Leonie - BRISANT/Saggen interaktiv

 

Harry the Boomer erzählt euch von seinen Erfahrungen als Radiomacher und präsentiert euch zwei seiner Lieblingssendungen:

 

Stadtexpeditionen. Teil 1

Der Boomer’s Radioblog begibt sich diesmal auf den 1. Teil einer Stadtexpedition. Unter dem Titel: “Frauen, Orte, Fakten und ein wenig Drumherum: Eine Stadtexpedition zu unbekannten Biographien zu Frauen in Innsbruck”, begeben wir uns auf Spurensuche. Genauer: zu Orten mit denen sich diese Biographien verknüpfen. Dass sich diese Biographien mit Innsbruck verbinden, ist unbekannt. Die Orte und Namen sind: Leopoldstraße Nr. 37, an der Alex Wedding (1905 – 1966), spätere sozialistische Kinderbuchautorin, die Initialzündung für ihr politisches Engagement erhalten hätte.

Es folgt die Zollerstraße 5. Dort wohnte vom Sommersemester 1943 an bis Ende Feber 1945 Sylvia Welter (1919 – ?), um ihr Studium der Medizin an der Universität Innsbruck fertig zu machen. Nach Promotion und Rückkehr in Nürnberg, heiratete Dr*in Sylvia Welter in Pappenheim/Deutschland den Schriftsteller J. D. Salinger.

Der Weg führt weiter in die Müllerstraße 30, zu einem blutigen Ehedrama des Jahres 1906. Der daraus folgende Prozess gegen Aloisia (Luise) Rutthofer (1866 – 1909) und die Berichterstattung dazu rief Karl Kraus auf den Plan. Der Prozess Rutthofer fand Eingang in Kraus’ “Fackel” und anschließend in die Sammlung “Sittlichkeit und Kriminalität”.

Zuletzt begeben wir uns in die Maria-Theresienstraße 1 an einen Ort, an dem 1934 die erste Rechtsanwältin in Tirol, wenn auch nur für kurze Zeit, ihre Kanzlei eröffnete. Dr*in Luise Kneringer (1904 – 1938) war zu diesem Zeitpunkt erst die vierte Rechtsanwältin in Österreich.

Die Musik am Schluss des Beitrages kommt von Chicago (25 or 6 to 4 und I’m a Man). Veröffentlicht auf der CD “Chicago Live”.

Das Beitragsbild stammt aus einem Reiseführer über Innsbruck aus dem Jahre 1923. Die Preise wie 15.000 Kronen für Brot zeigen die Hyperinflation.

Teil 2. der Stadtexpeditionen folgt am 30. Juli 2025, 15.00 Uhr auf Boomer’s Radioblog.

Hugo Bettauer: Zum 100sten. Todestag

Am 26. März 1925 verstarb in Wien der Publizist und Schriftsteller Hugo Bettauer. Bettauer gründete 1924, zusammen mit Rudolf Olden die Wochenzeitschrift “Er und Sie. Wochenschrift für Lebenskultur und Erotik”. Die 1. Nummer erschien am 14. Feber 1924 – Valentinstag. Die Inhalte der Zeitung trafen den Nerv der Zeit. In ihr wurden Fragen zur Erotik, Sexualität, Partnerschaft und vieles andere mehr erörtert. Mit dem Ziel, alle diese Themen verständlich aufzubereiten.

Schon von Beginn gab es heftigen Widerstand gegen die Zeitschrift, und zwar über die Parteigrenzen hinweg. Auch der Wiener Gemeinderat und amtsführende Stadtrat Julius Tandler stimmte in den Chor der Gegner Bettauers mit ein. Am 10. März 1925 verübte der Nationalsozialist Otto Rothstock in den Redaktionsräumlichkeiten der Zeitschrift (Wien 8., Langegasse 7) ein Schussattentat auf Bettauer. Er sah, ähnlich der amtlichen Argumentation Tandlers, durch die Zeitschrift des “Juden Bettauer”, die “Sittlichkeit der Jugend gefährdet”. Eine solche Gefährdung galt es zu verhindern.

Der Prozess gegen Rothstock geriet zur Farce. Er wurde von den Geschworenen freigesprochen. Rothstock wurde in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht, aus der er 1927 entlassen wurde. Im Prinzip traf Rothstock keine Strafverfolgung. In einem Interview des Jahres 1974 verteidigte Rothstock seine Tat mit gleichen Argumenten wie 1925. Wer die Gegenwart aufmerksam beobachtet, der erkennt, dass die Argumente gegen Bettauer leider “zeitlos” sind.

Ebenso zeitlos sind die Verfilmungen der Romane von Bettauer, die oft nur wenige Monate nach Veröffentlichung der Bücher danach entstanden sind.

Filme wie: Die Stadt ohne Juden und Die freudlose Gasse gelten als Höhepunkte des damals noch jungen Mediums und haben seit dieser Zeit nichts an ihren Wirkungen verloren.

Und ebenso zeitlos sind Bettauers Romane:

Bettauers Romane sind zwar triviale Kriminalromane, die jedoch die Zeit der Inflation genauestens nachzeichnen und jene Szenarien wiedergeben, wie sie nicht nur in solchen Zeiten, sondern auch in der Gegenwart entstehen und in der Zukunft entstehen werden.

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