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  • 2026_02_27_Freifenster_Wahrhaftigkeit_Film_AO
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ARTHUR SALNER

Über Wahrhaftigkeit und das Als-ob im zeitgenössischen Kino
Spurensuche beim Göteborg Film Festival 2026

Ein vielfach beobachtetes Phänomen der Gegenwart ist die Debatte um die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion. Sie steht im Zentrum politischer Kampfrhetorik und angesichts der Echtzeitübertragung von Krieg, Genozid und der Zerstörung natürlicher Ressourcen werden Narrative zur Legitimation gewaltvoller, imperialistischer, neokolonialistischer Praktiken eingesetzt.
Spielfilme bedienen sich einerseits dokumentarischer Mittel (erzähltechnisch, visuell/ästhetisch) oder fiktionalisieren faktuale Ereignisse, erlauben dadurch neue Zugänge, Blickwinkel, Reflexionen zu historischen Erzählungen, gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Sie imaginieren alternative Vergangenheiten, Gegenwarten und Zukünfte und schaffen so wahrhaftige Möglichkeitsräume im als-ob (as if). Dokumentarfilme wiederum erzählen oft kunstvoll und ergreifend von einer Gegenwart, die mithin stranger than fiction ist.

Fakten lassen sich belegen, sie stehen nicht zur Disposition. Der Wahrheitsbegriff erscheint diesbezülich stärker von Debatten, Machtdynamiken und Meinungshegemonien ausgesetzt. Der entscheidende Unterschied: Kunstwerke sind keinem Wahrheitsanspruch verpflichtet, während der Dokumentarfilm sich oft an der Grenze zwischen Wahrheitsanspruch und künstlerischer Freiheit darstellt bewegt und schneller ins Manipulative kippen kann.

Viele internationale Film Festivals zeigen in ihrem Programm eine große Bandbreite an Filmen vom Fantastischen bis hin zum Faktischen und sind genau mit jenen Fragen zur Grenzziehung permanent befasst. Das zeigt sich nicht zuletzt in den Q&As nach den Filmscreenings. Das Göteborg Film Festival hat 2026 das Thema «Truth» ins Zentrum gestellt und fragt sich, welchen Stellenwert in der durchmedialisierten Gegenwart und im «Krieg der Bilder» Filme haben, wie sie neue Perspektiven auf die Welt schaffen können, die wahrhaftig und humanistisch sind.

Dieses Feature spürt diesen Wahrhaftigkeiten beim größten skandinavischen Film Festival nach, fragt, welche Bedeutung der Wahrheitsbegriff im zeitgenössischen Film hat und welche humanistischen Zukünfte sich in diesem Medium imaginieren lassen.

Sendungsgestaltung: Anna Obererlacher

Interviewpartnerinnen:
Camilla Larsson (Göteborg Film Festival), Anna Ladinig (Internationales Film Festival Innsbruck)

Credits Filmausschnitte:
A Few Good Men (1992), Rob Reiner
My Father and Qaddafi (2025), Jihan K
Ingen kommentar (2025), Petter Næss
Fiume o morte! (2025), Igor Bezinovic
Yes (2025), Nadav Lapid
The Voice of Hind Rajab (2025), Kaouther Ben Hania

Credits Songs:
Crack Cloud: Post Truth
Alex Ebert: Truth

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