Solidarität für Prosfygika

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Die Geschichte von Prosfygika

Prosfygika ist der größte besetzte Häuserkomplex in Athen. Ursprünglich errichtet, für die griechischen Geflüchteten aus Kleinasien, in den 1930er Jahren, ist der Häuserblock heute ein Beispiel für solidarisches und gemeinschaftliches Wohnen für ganz Europa. Der Name des Blocks: Prosfygika (gr: Προσφυγικά) ist an seine ursprünglichen Bewohner*innen angelehnt. Übersetzt bedeutet dies nämlich so viel wie „Flüchtlingsbauten“. Nach und nach begannen die Geflüchteten, in die Wohnungen zu ziehen und das Viertel füllte sich mit Leben. Es handelte sich um Menschen, die aus Vertreibung kamen und eine ganz eigene Kultur mitbrachten. 1944 wurde der Prosfygika-Komplex, nur wenige Monate nach dem Ende der deutschen Besatzung, während der Schlacht um Athen (die sowohl den Beginn des griechischen Bürgerkriegs als auch des Kalten Krieges markierte), zum Schlachtfeld. Die Bewohner*innen führten gemeinsam mit Menschen aus der Umgebung Widerstandsaktionen sowohl gegen die griechischen Staatskräfte als auch gegen die neu eingetroffenen britischen Besatzungstruppen an. Das Gebiet wurde von diesen Streitkräften schwer bombardiert, und bis heute tragen die Gebäude noch immer die Spuren der Kugeln.

Im Laufe der Jahrzehnte drohte der Staat wiederholt mit dem Abriss dieses historischen Viertels. Es soll Pläne gegeben haben, dort ein Gerichtsgebäude und eine Shopping-Mall mit großem Parkplatz zu errichten. Ab den späten 90ern bis in die frühen 2000er bot die staatliche Immobiliengesellschaft den Bewohner*innen eine Geldsumme, damit jene die Wohnungen verlassen, manche nahmen dies an, andere weigerten sich nur, um dann der Gefahr gegenüber zu stehen, zwangsenteignet zu werden. Bis 2003 waren 177 Wohnungen in staatliches Eigentum übergegangen. Nur 51 Bewohner*innen hielten dem Druck stand, mit Unterstützung mehrerer Solidaritätsgruppen traten sie vor Gericht um ihren Wohnblock zu verteidigen. In zweiter gerichtlicher Instanz gewannen sie.

Die Situation heute

Heute steht die Gemeinschaft vor ihrer bislang größten Herausforderung: Die Regionalregierung von Attika plant eine umfassende Sanierung und Umnutzung der Gebäude. Bewohner und Unterstützer befürchten jedoch, dass dies zu einer Räumung und Verdrängung der aktuellen Einwohner führen würde. Die Gemeinschaft kritisiert insbesondere das Fehlen konkreter Umsiedlungs- und Wohnkonzepte für die Betroffenen. Seit Februar 2026 läuft ein Hungerstreik von Mitgliedern der Gemeinschaft gegen die Räumungspläne, der internationale Aufmerksamkeit erregt hat.

Gleichzeitig finden Solidaritätsaktionen in mehreren europäischen Städten statt, und Menschenrechtsorganisationen sowie verschiedene politische Akteure verfolgen die Entwicklungen aufmerksam. Auch in Österreich gibt es ein Solidaritätsnetzwerk für Prosfygika. Sie veranstalten immer wieder Events, um auf die Situation vor Ort aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. Wir sprachen mit einer Person aus dem Netzwerk, Dimir. Er hat selbst einige Zeit als Geflüchteter dort gelebt und obwohl er heute seinen Lebensmittelpunkt in Wien hat, ist er regelmäßig in Athen und unterstützt die Gemeinschaft dort. Er erzählt von der Geschichte des Komplexes und davon, was es bedeuten würde, wenn die Regierung diesen räumt.

Quelle: https://sykaprosquat.noblogs.org/files/2025/08/BROCHURE-OF-THE-COMMUNITY-ENG.pdf

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