Hinschauen statt Wegsehen – Warum Mitleid keine Augenhöhe ist

Podcast
Radio Tipping Point
  • Jun 6 at 2 56 PM
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🎧 Eines vorweg: Ich habe den Mut, Dinge auszuprobieren, auch wenn mein Umfeld oft voller Angst um mich ist und mir abrät. Doch dieses Mal haben wir etwas gewagt, das mein Verständnis und hoffentlich auch eures komplett auf den Kopf stellt.

Gemeinsam mit der wunderbaren Ute Hennig (bekannt aus Inside Orange) reflektiere ich in dieser Folge eine ganz besondere Initiative, die wir vor kurzem auf der Mariahilfer Straße in Wien gestartet haben: „Free Listening“ oder Gratis Zuhören. 🛑📜

Wir standen dort mit Schildern, bereit, den Menschen einfach nur zuzuhören. Doch was als offenes Gesprächsangebot geplant war, hat eine tiefere, schmerzhafte gesellschaftliche Wunde offengelegt – besonders durch die Erfahrungen meiner drei mutigen Gäste, die mit einer Behinderung durchs Leben gehen oder rollen.
👥 Unsere Gäste und ihre ungeschminkten Geschichten
Wir stecken Menschen viel zu schnell in Schubladen. Sobald jemand im Rollstuhl sitzt, eine Behinderung hat oder einen anderen Akzent spricht, geht die Schublade auf und der Mensch verschwindet darin. Meine drei Gäste brechen heute diese Schubladen auf:

  • Karlo (28): Seit seiner Geburt sitzt er wegen einer zerebralen Spastik im Rollstuhl. Er ist hochgebildet (Doktor!), politisch im Selbstvertreterzentrum (SVZ) aktiv und kämpft für Barrierefreiheit. Auf der Straße erlebt er oft, dass Menschen gar nicht mit ihm sprechen, sondern mit seinen Assistenten – als wäre er Luft. Seine Botschaft: „Schaut auf mich, Leute! Wir brauchen Sichtbarkeit auf Augenhöhe, kein Mitleid.“
  • Markus (40): Erlitt drei Tage nach der Geburt eine Gehirnblutung. Trotz seines enormen IT-Talents (er managt komplexe Excel-Listen) wurde er direkt von der Sonderschule in eine Werkstätte abgeschoben. Das Absurde: Würde er einen regulären Computer-Job annehmen, würden all seine staatlichen Förderungen wegfallen – eine systemische Zwickmühle! Markus will kein großes Geld, er will Teilhabe: „Ich will gesehen werden.“
  • Abdulatif (25): Vor zwei Jahren kam er aus Syrien nach Österreich, kurz darauf erhielt er die Diagnose PPMS (Primär Progrediente Multiple Sklerose). Seine Gesundheit verschlechtert sich rasant, er ist frisch auf den Rollstuhl angewiesen. Er fordert schlichtweg eines ein: Respekt.

💔 Das Problem mit dem Mitleid: Warum wir uns hinterfragen müssen
Das größte Learning unserer Aktion? Menschen mit Behinderung wollen kein Mitleid. Mitleid schafft Distanz. Es ist wie eine Schutzmauer, die das Trennende betont, anstatt nach den Gemeinsamkeiten zu suchen.

Es ist mir ehrlich gesagt peinlich, dass ich mir früher selbst so wenig Gedanken über diese Community gemacht habe. Aber besser spät als nie! Wir beleuchten in dieser Episode auch die frustrierenden systemischen Fehler unseres Staates: Ein System, das zwar Fürsorge bietet, aber Menschen knallhart bestraft und ausbremst, sobald sie Eigeninitiative zeigen und arbeiten wollen. Das macht einfach nur verdammt wütend. 😡
📢 Mein Appell an euch: Bitte schaut nicht weg!

„Bitte Leute, schaut’s nicht weg. Schaut es einfach nicht weg, weil es könnte euch selbst auch treffen.“ – Markus Berger

Diese Folge ist eine Einladung, die eigenen Berührungsängste zu hinterfragen. Lasst uns lernen, den Menschen zu sehen, nicht die Behinderung.

Jetzt reinhören, reflektieren und teilen! 🎧✨

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