Prozess gegen Antifaschist:innen in Graz geht weiter
Am Mittwoch, 4. November, wird am Landesgericht Graz der Prozess gegen sieben Antifaschist:innen fortgesetzt. Ihnen wird schwerer Raub vorgeworfen, weil im Jänner 2025 nach dem Akademikerball einem Burschenschafter die Couleurkappe vom Kopf genommen wurde. Der Mann stürzte und erlitt schwere Rippenverletzungen. Der Strafrahmen für schweren Raum beträgt fünf bis fünfzehn Jahre. Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.
Der erste Teil der Verhandlung im Jänner wurde vertagt, weil Gutachten fehlten, die vor einer Anklage von der Staatsanwaltschaft eingeholt werden hätten müssen. Diese hat jedoch zu keinem Zeitpunkt in alle Richtungen ermittelt – wie es ihre Aufgabe gewesen wäre.
Nun dauerte es fast ein ganzes Jahr um die fehlenden Gutachten einzuholen:
Das Videogutachten sieht vor und während des Griffs zur Kappe keine Gewalt. Das gerichtsmedizinische Gutachten vom Juli beschreibt einen ungebremsten Sturz und hält fest, dass sich Einzelheiten nicht mehr rekonstruieren lassen. Zwischen Vorfall und Prozessfortsetzung liegen fast zwei Jahre.
Wir haben mit Pia Kern gesprochen, einer Rechtsanwältin aus Wien, die mehrere der Angeklagten verteidigt. Wir wollten von ihr wissen, was die neuen Gutachten für den Vorwurf des schweren Raubs bedeuten. Wir haben gefragt, warum die Verteidigung weitere Gutachten und ein biophysikalisches Gutachten beantragt hat. Und wir haben nachgehakt, welche anderen Tatbestände das Gericht jetzt prüft und was das für die Angeklagten heißt. Außerdem geht es darum, wie sie die Dauer und die Härte des Verfahrens bewertet. Das Gespräch haben wir vor dem Prozesstag aufgenommen.
Credits: Presseservice Wien
Shownotes:
Hier findet ihr mehr Informationen rund um den Prozess und die Soli-Kampagne.
Rechtsextreme Gewalt in der Schweiz
Jahrzehntelang konnten sich gewaltbereite Neonazis in Teilen der Schweiz organisieren, ihre Netzwerke ausbauen und gesellschaftlich verankern. Ihre Strukturen und zahlreiche Übergriffe sind seit Langem dokumentiert. Trotzdem gerieten sie zunehmend aus dem öffentlichen Blick.
Nach einem Konzert im schweizerischen Tuggen wurde ein junger Mann mutmaßlich ermordet. Ein Tatverdächtiger sitzt mittlerweile in Haft. Er wird dem neonazistischen Netzwerk “Blood & Honour” zugerechnet. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Wir übernehmen heute einen Beitrag von Radio Dreyeckland aus Freiburg. RDL hat mit Jan Jirát von der Schweizer Wochenzeitung WOZ gesprochen. Er hat letzte Woche einen ausführlichen Artikel zu dem Fall veröffentlicht. Im Gespräch geht es darum, wie sich eine solche Szene über Jahrzehnte halten konnte und warum ihre Gewaltbereitschaft offenbar unterschätzt wurde. Außerdem geht es um die Kontinuität rechter Gewalt und die Bedeutung antifaschistischer Recherche.
Wer tiefer einsteigen möchte, findet beim Schweizer Antifa-Portal einen aktuellen Beitrag, der die Entwicklung der letzten 20 Jahre nachzeichnet:
WOZ: Rechtsextremismus – Die unterschätzte Gefahr
Schweizer Antifa: Recherche zu Blood&Honor
Veranstaltungshinweise:
Prozess gegen sieben Antifaschist:innen: Support gefragt
Mittwoch, 4. November
9:00 Uhr: Anstellen vor dem Landesgericht für Strafsachen Graz, Conrad-von-Hötzendorf-Straße 41 (Bezugspersonen und Angehörige haben Priorität)
9:30 bis 16:00 Uhr: Verhandlung, Saal 44
Ab 10:00 Uhr: Solidarisches Rumhängen und Live-Ticker im Spektral, Lendkai 45
18:00 Uhr: Kundgebung der Offensive gegen Rechts Steiermark, Südtirolerplatz
18:30 Uhr: Küfa und Resümee im Spektral
Transpi malen für den Trans Day of Remembrance
Samstag, 7. November, 15 Uhr
Kometin, Graz
Für den ersten Trauermarsch zum Trans Day of Remembrance in Graz werden Transparente und Material vorbereitet. Wer im Vorfeld helfen möchte, ist willkommen.
Autonome Landwirtschaftsausbildung: Einstiegstreffen
Samstag, 7. November, 15 Uhr
Linz, Graz und online
Eine Gruppe plant ab der nächsten Saison eine selbstorganisierte, solidarische Ausbildung zu ökologischer und kleinstrukturierter Landwirtschaft. Beim Einstiegstreffen können sich Interessierte informieren, Vorwissen ist nicht nötig. Die Orte gibt es auf Anfrage. Anmeldung und Fragen: landwirtschaft_lernen@riseup.net
Trans Day of Remembrance: Trauermarsch
Freitag, 20. November, 17 bis ca. 19 Uhr
Europaplatz, Hauptbahnhof, Graz
Zum ersten Mal gibt es in Graz einen Trauermarsch zum Gedenken an die Opfer transfeindlicher Gewalt. Er führt über die Annenstraße zum Kunsthaus und weiter zum Schlossbergplatz, mit Reden und Gedenkkerzen. Danach gibt es im Spektral eine Küche für Alle für trans, inter* und nichtbinäre Personen. Wer mithelfen möchte, kann sich beim Bündnis melden.
Jugendstreik: Für unsere Zukunft, gegen ihre Kriege
Freitag, 20. November
Beim internationalen Jugendstreik geht es gegen die Militarisierung Europas und für soziale Gerechtigkeit. In Wien gibt es um 15 Uhr eine Demo am Christian-Broda-Platz. Auch in Graz sollen Aktionen stattfinden, bisher steht nur das Datum fest. Mehr Infos: stoprearm.org/austria









