Vive l’Europe! #79 – Der Wald ist die größte Klimafabrik, …

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… und deshalb gilt es die Waldbestände aktiv zu bewirtschaften. Die österreichische Forstwirtschaft zeigt, wie durch jahrhundertelange Tradition, trotz steigender Temperaturen, die Ressource Wald „klimafit“ wird.

Gozdovi so pomemben del naravnega okolja in imajo velik vpliv na prihodnost našega planeta. Njihova vloga se zaradi podnebnih sprememb in novih okoljskih izzivov še povečuje. Pri tem postaja pomembno iskanje ravnotežja med varovanjem narave in odgovorno rabo njenih virov. Prispevek predstavlja pogled strokovnjakov na prihodnost gozdov ter načine, kako jih ohraniti odporne.

Europa verzeichnet seit den 1950er Jahren einen ständigen Zuwachs an Waldbedeckung, vor allem durch kontinuierliche Aufforstung und beständige Pflege. Die bewaldeten Flächen sind nicht nur wertvolle CO-Speicher, sondern auch Lebens- und Erholungsraum und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Um die Waldressource zu schützen, wäre eine innovative Forstwirtschaft und Artenvielfalt entscheidend, um die Resilienz der Wälder zu stärken, so DI Johann Zöscher von der Forstlichen Ausbildungsstätte in Ossiach/Kärnten. Dies sei auch für DI Günter Sonnleitner wesentlich, der die heimische Waldbewirtschaftung als vorbildlich bezeichnet und die Bedeutung von Holz als echte Alternative zu anderen fossilen Materialien bewertet.

Es stellt sich die Frage, welchen Beitrag innovative Forstwirtschaft leisten kann und warum ein hohes Maß an Vielfalt die Wälder resilienter macht. Erste Einblicke, Feststellungen sowie eine Vorortbegehung mit DI Johann Zöscher verdeutlichen, dass zukunftsweisende Waldwirtschaft dem Leitgedanken der Biodiversität folgen müsste:

Ganz genau, das ist es. Biodiversität bedeutet Vielfalt, nämlich in drei Dimensionen: einerseits Vielfalt der Arten, andererseits Vielfalt der Genetik innerhalb der Arten und in dritter Konsequenz auch noch die Vielfalt der Lebensräume bzw. Strukturen im Wald. Und wenn man diese drei Aspekte in der modernen waldbaulichen Ausrichtung berücksichtigt, dann hat man für die Zukunft sehr viel getan.

Durch die Biodiversität gelingt es uns, das Risiko der Klimafolgen zu reduzieren, einfach dadurch, dass als Baumartenvielfalt mehrere Bäume auf der Fläche sind und damit eben das Risiko von einer Art weggenommen wird und durch mehrere andere Arten kompensiert wird, das durch die Produktion dann entsteht. Und bei der Biodiversität in der genetischen Hinsicht ist es so, dass eben innerhalb der Arten auch Abweichungen bestehen hinsichtlich der Genetik und deswegen die Anpassungsfähigkeit besser gegeben ist, wenn mehr genetische Vielfalt im Wald gegeben ist.

Als Gegenstrategie zu den Folgen der Klimaveränderungen seien für den Forstexperten, neben der genetischen Vielfalt, drei Wesensmerkmale entscheidend: Resilienz, Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit:

Widerstandsfähigkeit wird dadurch erhöht, dass durch mehrere Arten auf der Fläche auch mehrere Wurzelsysteme dabei sind. Also nicht nur flachwurzelnde Bäume, sondern auch tiefwurzelnde Bäume, die die Widerstandsfähigkeit gegen Windeinfluss beispielsweise erhöhen. Die Resilienz bedeutet, dass eben nicht einschichtige Wälder da sind, die bei einem Schadereignis sofort zu Tode kommen und als Ganzes geworfen werden, sondern dass möglicherweise bereits eine Mittelschicht oder eine Verjüngungsschicht darunter ist, die dann nach einer Störung sofort wieder Produktion aufnehmen kann und den ursprünglichen Waldzustand schneller herstellen kann. Und die Anpassungsfähigkeit gelingt eben auch über die genetische Vielfalt und die Artenvielfalt in gemeinsamer Kombination.

Jeder Prozentpunkt mehr Erwärmung in der Atmosphäre hat gravierende Auswirkungen auf den Waldbestand in Österreich, denn…

… ja, pro Grad Erhöhung der Mitteltemperatur in unserer Atmosphäre ergeben sich Verschiebungen der Vegetationszonen um 100 bis 200 Meter in der Höhe. Das heißt, unsere Waldflächen werden sich deutlich in die Höhe verschieben und andererseits Waldgesellschaften, die jetzt bereits im oberen Grenzbereich sind, vielleicht sogar ausgedrängt werden können. Und im untersten Bereich, also im Bereich des östlichen Österreichs beispielsweise, wird die untere Waldgrenze immer schlagender werden und auch sichtbar werden. Das heißt, dass es zu warm und zu trocken für Wälder im herkömmlichen Sinne wird, so wie wir es verstehen.

Für diese angesprochen Szenarien, die den unteren Bereich der Waldflächen betreffen, bekommen sogenannte „Pionierhölzer“ eine größere Bedeutung, wie Forstexperte Zöscher ausführt:

Pioniergehölze sind Baumarten, die besonders anpassungsfähig sind und mit allen klimatischen Ausprägungen zurechtkommen, solange sie genug Licht haben. Und das bringt natürlich entscheidende Vorteile für die Zukunft, denn Veränderungen brauchen Anpassungsfähigkeit. Je anpassungsfähiger eine Baumart ist, und das sind die Pionierbaumarten, desto leichter wird sie sich mit Klimafolgen abfinden können. Und das ist das Geheimnis für die Zukunft.

Und das zweite Geheimnis für die Zukunft wären sogenannte „dienende Baumarten“ die zur Verbesserung der Bodenqualität beitragen und damit die Stabilität fördern.

Dienende Baumarten sind solche, die die Hauptbaumarten unterstützen, um in ihrem Wachstum besser zu werden bzw. sich besser etablieren zu können. Und ein Beispiel dafür wäre die Rotbuche beispielsweise auf silikatischen Böden in Fichten-Tannenwäldern, wo sie durch die leicht verrottbare Streu die Bodensituation verbessert, die Nährstoffsituation verbessert und zusätzlich durch ihre Tiefwurzelungsfähigkeit auch zur Stabilität des Bestandes beitragen kann.

Bei einem Lokalaugenschein im Forst, erläutert Johann Zöscher, welche Wirkungen sich durch einen gezielten Eingriff in den Waldbestand ergeben. Man hat sich beispielsweise vor geraumer Zeit entschlossen, jene überstehenden Bäume, die die oberste Schicht bildeten – vorwiegend Fichten, Buchen und Tannen, die den Bodenschichten das Licht entzogen haben – zu entnehmen, und…

… hat dann auf einmal Licht geschaffen für die weitere Verjüngung. Das heißt, die Tanne und die Rotbuche konnten weiterziehen und die Fichte ist nachgekommen und sobald sie dann genug Licht hat, um umsetzen zu können, wird sie dann „Vollgas“ geben und irgendwann einmal die Buche und die Tanne einholen. Das heißt, dass sie dann gleichständig wieder weiterwachsen können.

Und genau das ist die Zielsetzung des Ganzen. Und so intelligent ist die Natur. Die hat sich das genauso eingerichtet, dass alle drei Arten erhalten bleiben. Und deswegen ist eine der wichtigsten Eigenschaften von uns Forstleuten, glaube ich, dass wir der Natur auf die Finger schauen können. Dass wir es lernen, wieder genauer hinzuschauen und zu schauen, wie reagieren einzelne Bereiche der Natur, wenn es jetzt zu gewissen Situationen kommt. Deswegen versuchen wir die auch natürlich zu verjüngen. Und ich habe schon gesagt unten, was wir brauchen für die Zukunft, ist die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit, die Erhöhung der Resilienz, das heißt, die Erholungsfähigkeit nach Störungen, aber auch die Anpassungsfähigkeit. Wenn wir jetzt da schauen, wie kann man Anpassungsfähigkeit steigern? Durch Mischbaumarten einerseits, durch die genetische Vielfalt.

Ich glaube, dass wir da beides haben. Mischbaumarten haben vier Arten, das sind Fichte, Tanne, Buche, Lerche, zumindest, im Weiteren auch Kiefer, das heißt fünf Arten, die da jetzt dominant vorkommen. Das heißt, da sind wir schon mal am richtigen Weg. Strukturvielfalt, ergibt sich dadurch, dass eben da jetzt nicht nur die oberste Kronenschicht da ist, sondern auch mittelhohe Bäume dabei sind oder auch bereits die stark etablierte Verjüngung da ist. Das heißt, da haben wir beides.

Wie erhöhen wir die Widerstandsfähigkeit durch die Einzelbaum- und die Bestandsstabilität? Genau, die Summe aller stabilen Einzelbäume bildet einen stabilen Bestand. Und da kann man davon ausgehen, dass das gegeben ist. Weil eben die Bäume wirklich gut situiert sind und gut ausschauen. Und die Resilienz erhält man durch genetische Vielfalt bzw. durch die Naturverjüngung dann in weiterer Folge auch, was dann wieder zur Strukturvielfalt führt und zur Anpassungsfähigkeit insgesamt. Das heißt, je besser diese Vielfalt gegeben ist, desto besser ist es. Und wiederum ein Wort, auf das ich sehr stark reflektiere: Biodiversität, Artenvielfalt, genetische Vielfalt und die Vielfalt der Strukturen, in dem Fall ist eine hohe Garantie dafür, dass wir erfolgreich in die Zukunft gehen können und in der Zukunft entsprechend auch mit den Baumindividuen wirtschaften und Erfolg haben können.

Wie bereits erwähnt sind Waldflächen wichtige CO2-Speicher – Klimaschutz ist daher auch immer im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung und Pflege der Wälder zu sehen, so Zöscher. Denn, ein „stabiler Wald“ erfüllt nicht nur eine wirtschaftliche Funktion, sondern liefert hochwertige Produkte, die etwa fossilbasierte Rohstoffe weitestgehend substituieren können.

Über die Bewirtschaftung wird es möglich, Produkte des Waldes herauszuholen. Das heißt, wir haben beispielsweise jetzt im Hinblick auf CO2-Speicherung nicht nur den Wald als solches, sondern auch die Produkte, die aus dem Holz, das wir ernten, herausgenommen werden. Und diese Produkte sind auch dazu in der Lage, andere fossilbasierte Energieträger und Rohstoffe zu substituieren. Und darauf kommt es an. Deswegen ist es so wichtig, nicht nur den Wald als solches zu sehen, sondern auch die Produkte, die daraus hervorgehen, und die Substitutionsfähigkeit dadurch, dass er andere Produkte liefert, die fossilbasierte Rohstoffe ersetzen können.

Der stabile Wald ist die Grundlage dafür, dass wir erfolgreich wirtschaften können, dass wir erfolgreich Holz ernten können und das Holz auch verwenden können. Da geht es erstens einmal darum, dass wir das Holz für möglichst hochwertige Zwecke verwenden können, also „kaskadisch” wie man das auch nennt. Aber in weiterer Folge ist es auch wichtig zu verstehen, dass Brennholz zum Beispiel oder die energetische Verwertung des Holzes ein Koppelprodukt dieser Ernte der wertvollen Produkte ist. Und keiner pflanzt einen Wald an, um ihn als Brennholz zu verheizen, sondern der Wald wird angepflanzt, um möglichst hochwertiges Holz zu produzieren, das dann auch gut vermarktet werden kann.

Mit der österreichischen Forstgesetzgebung aus dem Jahr 1852 bzw. 1975 verfüge man über eine jahrhundertelange Tradition in der Waldbewirtschaftung, so Günter Sonnleitner, der in der forstlichen Ausbildung tätig war. Ein Vergleich der Waldinventur mit Ländern wie Finnland, Schweden, der Schweiz, oder Slowenien zeige, dass Österreich den größten Waldflächenzuwachs aufweist, die größte Vorratsausstattung in Holz pro Hektar hat und damit auch die höchste CO2-Bindung durch den Wald und seine Produkte im internationalen Vergleich aufweist. Und, so Sonnleitner, der Wald sei die größte Klimafabrik der Erde, und deshalb, …

… gilt es für die Zukunft, den Wald aktiv zu bewirtschaften. Wir haben also eine jahrhundertelange Tradition, die andere Länder in der EU nicht haben, weil der Wald dort keine so große Rolle wie in Österreich spielt. Wir sind vergleichbar mit der Schweiz, mit Slowenien, mit 60 bis 80 Prozent Waldausstattung (siehe Grafik von Euranet Plus im Anhang). Und der Wald hat einmal die Nutzfunktion, die Schutzfunktion die Wohlfahrtsfunktion und die Erholungsfunktion und auch eine Ökofunktion. Und diese fünf Funktionen werden in der österreichischen Waldbewirtschaftung wirklich genau genommen. Und wir haben eine große Erfahrung. Wir sind deswegen Weltmeister und können eigentlich den anderen Ländern zeigen, wie wir es machen.

Als ehemaliger Leiter der Forstlichen Ausbildungsstätte in Ossiach verweist der diplomierte Forstwirt Sonnleitner auch auf die internationale Bedeutung dieser Einrichtung und unterstreicht nochmals die Bedeutung von Holz als echte Alternative zu anderen fossilen Materialien.

Die Ausbildungsstätte Ossiach ist ein Botschafter, und da kommen jährlich 5.000 Leute aus der ganzen Welt her, aus den USA, Kanada bis nach Japan, und die studieren sozusagen, wie wir diese ökonomische, forsttechnische und ökologische Waldwirtschaft in die Praxis umsetzen und was wir aus diesen Produkten machen. Wir machen aus Holz den Kochlöffel, über das Traumhaus aus Holz bis zur Stradivari. Also eine komplette Palette an Holzprodukten. Aus dem Holz, aus dem Restholz, das in der kaskadischen Nutzung übrigbleibt, können wir die Energieversorgung machen und damit alle fossilen Energieträger ersetzen. Und da sind wir auch dabei, denn das Holz oder die Bäume fangen eigentlich die Energie der Sonne ein und speichern sie in Form von Holz und der Wald ist die größte Klimafabrik unserer Erde. Der Klimawandel beschäftigt uns alle und deshalb können wir mit einer aktiven Waldbewirtschaftung diesem Klimawandel entgegnen, CO2 binden und fossile energiegetragene Materialien wie Beton, Stahl und Eisen oder fossilgetragene Energiestoffe wie Öl, Kohle, Koks, Erdöl, können wir durch Biomasse ersetzen und sie sind eine echte Alternative, um den Klimawandel etwas einzuschränken.

Mit einer Waldfläche von rund 46 Prozent des Bundesgebietes und einem Bestand von 400 Bäumen pro Einwohner zählt Österreich zu den waldreichsten Ländern der Europäischen Union. Die Erfahrungen einer jahrhundertelangen Tradition in der Waldbewirtschaftung, verbunden mit einer umfangreichen Forstgesetzgebung und durch eine aktive Forschungs- und Ausbildungstätigkeit, erfährt die Expertise der österreichischen Forstwirtschaft internationale Anerkennung.

Za prihodnost gozdov je ključna biotska raznovrstnost. Predavatelj na Gozdarskem izobraževalnem centru Osoje, Johann Zöscher, pojasni, da se raznovrstnost nanaša na tri vidike: raznolikost vrst, genetsko raznolikost znotraj vrste in raznolikost življenjskih prostorov. Takšna pestrost povečuje odpornost gozdov in jim omogoča lažje prilagajanje na višje temperature in sušnejše razmere. Gozdna meja se namreč premika zaradi višanja podnebnih temperatur. Za vsako stopinjo več se gozdna meja premakne za 100 do 200 metrov. Zato so posebno pomembne pionirske vrste, ki so izjemno prilagodljive. Bolj prilagodljiva kot je drevesna vrsta, lažje se bo spopadla s posledicami podnebnih sprememb, tako Zöscher.

Gozdni strokovnjak Günter Sonnleitner pa poudarja, da je gozd »največja podnebna tovarna na Zemlji« in da je aktivno gospodarjenje z njim pomemben del boja proti podnebnim spremembam. Gozd je torej nujen za stabilnost našega planeta, hkrati pa nam daje les, ki kot trajnostni vir lahko nadomesti fosilne materiale.

Avstrija je bolj pogozdena kot večina drugih evropskih držav in se lahko primerja s Slovenijo in Švico. Avstrijska gozdarska tradicija je primer dobre prakse, saj uspešno povezuje smotrno gospodarsko rabo, varovanje narave in dolgoročno stabilnost gozdov, zaključi Sonnleitner.

 

Kurzbiografien:

Dipl. -Ing. Johann Zöscher ist Lehrender an der Forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach/Kärnten des Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW).

Prof. Dipl. -Ing. Günter Sonnleitner gilt als anerkannter Experte für Forst- und Holzwirtschaft, war von 1975 bis 2009 Direktor der Forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach in Kärnten und ist in seiner Pension als Referent und Ratgeber weiterhin äußerst aktiv.

 

Weiterführende Informationen:

Etwa 39 Prozent der Gesamtfläche der EU ist bewaldet. Europa ist der Kontinent, der den größten Zuwachs an Waldbedeckung verzeichnet hat. Seit den 1950er Jahren hat sich die Waldfläche um 300.000 km² vergrößert. Dies ist hauptsächlich der Aufforstung zu verdanken, also der Pflanzung neuer Bäume, und der natürlichen Regeneration. Heute sind fast ein Viertel der europäischen Wälder Teil des Natura-2000-Netzwerks, eines EU-Netzwerks geschützter ökologischer Stätten mit hohem Kulturwert. Informationen zum Anteil der Waldflächen nach Ländern in Europa zeigt die grafische Darstellung: https://euranetplus-inside.eu/eu-in-maps-forests-quantity-without-quality/#pll_switcher

 

Oblikovanje I Gestaltung: Heinz Pichler & Neža Katzmann Pavlovčič

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