Widerstand gegen das Entdecken – Indigene Völker in Abgeschiedenheit und das Recht auf Selbstbestimmung. Rund um den 12. Oktober, den “Tag des indigenen Widerstands”, fand im Grazer Volkskundemuseum eine Veranstaltung „Widerstand gegen das Entdecken” statt.
Christina Korak, Dolmetscherin, Forscherin und Vizepräsidentin der Lateinamerika-Forschung Austria, lud zwei außergewöhnliche Gäste ein:
Eduardo Pichilingue Ramos, MA, ist Ökologe und Koordinator der Allianz Cuencas Sagradas in Peru zum Schutz der Territorien von über 30 Völkern in 35 Mio Hektar Amazonasregenwald. Seit 24 Jahren arbeitet er zu indigenen Rechten mit besonderem Fokus auf Indigene in Abgeschiedenheit.
Manuela Omari Ima ist Gründerin der Frauenorganisation der Waorani und wurde im Territorium der Waorani im Yasuní geboren. Dieses Gebiet zählt zu den artenreichsten Regionen der Welt. Im Jahr 2012 veröffentlichte Ima ihr Werk Saberes Waorani y Parque Nacional Yasuní: plantas, salud y bienestar en la Amazonía del Ecuador (Das Wissen der Waorani und der Nationalpark Yasuní: Pflanzen, Gesundheit und Wohlbefinden im Amazonasgebiet Ecuadors).
Christina Korak, Universität Graz, ist Translationswissenschafterin, Dolmetscherin und Vize-Vorsitzende der Lateinamerikaforschung Austria. Sie erforscht, wie indigene Kosmovisionen durch missionarische Übersetzungen verändert werden und welche Auswirkungen Zwangskontaktierungen indigener Völker auf territoriale, sprachliche und kulturelle Rechte haben.
Die Veranstaltung thematisiert die Geschichte der Waorani, einem indigenen Volk im ecuadorianischen Amazonas-Regenwald. Ihre Sprache Waoterero gilt als isolierte Sprache ohne nachgewiesene Verbindung zu anderen Sprachfamilien. Traditionell lebten sie in autarken Familiengruppen auf einem Territorium von etwa 2 Millionen Hektar.
Ab 1938 begann mit Erdölbohrungen der Royal Dutch Shell Company ein gewaltsamer Umbruch. 1953 startete das US-amerikanische Summer Institute of Linguistics (SIL) unter dem Deckmantel linguistischer Forschung Kontaktierungs- und Missionierungsversuche. Nach der gescheiterten “Operation AUCA” 1956, bei der fünf Missionare getötet wurden, wurden verschiedene Waorani-Gruppen zwangskontaktiert und in ein Reservat umgesiedelt. Die Sesshaftigkeit brachte Krankheiten wie Polio.
Bis heute leben Gruppen der Waorani – bekannt als Tagaeri und Taromenane – in freiwilliger Abgeschiedenhei und widersetzen sich jeder Kontaktierung. Ihr Territorium ist durch Erdölförderung massiv bedroht. Eine Petition fordert die Umsetzung der Volksabstimmung von 2023, die die Beendigung der Erdölförderung im Yasuni-Nationalpark beschlossen hat.
Die Sendung ist Teil des Forschungsprojekts “Towards a Cosmovision Turn” und wurde organisiert in Kooperation mit dem Volkskundemuseum Graz, dem Indigenous Rights Collective (INRICO), dem Zentrum für Interamerikanische Studien, Südwind Steiermark und weiteren Partnerinnen.
Live-Dollmetscherin: Christine Trauner.
Moderation: Christine Korak.
Aufgezeichnet im Oktober 2024













