Der Klimakollaps, das Artensterben und der Rechtsruck verschärfen sich gegenseitig – aber wie können wir die Zukunft trotzdem positiv mitgestalten? Das Kollaps-Café Graz bietet einen offenen Raum für genau diese Fragen.
VON UNTEN hat mit Axel gesprochen, der an der Karl-Franzens-Universität Physik unterrichtet und seit einem Jahr beim Kollaps-Café Graz dabei ist.
Der Begriff „Kollaps“ ist in der gleichnamigen Bewegung und auch in der Klimabewegung selbst nicht unumstritten: Gemeint ist meist kein plötzlicher Weltuntergang, sondern eine schleichende Verschlechterung des gewohnten Alltags – häufigere Katastrophen, brüchige Versorgung, zunehmende soziale und politische Krisen.
Die Kollapsologie ist keine klassische akademische Disziplin, kein formales wissenschaftliches Fachgebiet, sondern vielmehr ein interdisziplinärer Ansatz. Sie beschäftigt sich mit den vielfältigen Faktoren, die zum Kollaps komplexer Gesellschaften beitragen können – etwa Klimakrise, Ressourcenerschöpfung, Biodiversitätsverlust, soziale Ungleichheit oder politische Instabilität.
Kollaps-Cafés – entstanden in Deutschland und ursprünglich vor allem online, mittlerweile auch als lokale Treffen wie in Graz – wollen dafür einen Rahmen bieten, in dem man sich diesen Gedanken gemeinsam stellen kann, statt allein damit zu bleiben. Hinweis: In der Sendung geht es auch um Zukunftsängste und schwierige Gefühle – für Menschen, die das Thema psychisch belastet, ist das mitzudenken.
Im Gespräch mit Axel geht es unter anderem darum, warum die Bewegung findet, dass man sich mit dem Klimakollaps jetzt auseinandersetzen muss, und darum, was „solidarisches Preppen“ von individualistischem Prepping der rechtsextreme Szene unterscheidet: Es geht nicht ums eigene Bunkern, sondern um den Aufbau nachbarschaftlicher und solidarischer Netzwerke für den Ernstfall – ein Ansatz, den anarchistische und queere Gruppen schon länger praktizieren.
Angesichts von Hitzesommern wie heuer und jüngsten Katastrophen wie in Nepal stellt sich die Frage: Kommt die Bewegung nicht ohnehin zu spät? Wie schöpft man trotzdem Hoffnung – auch aus einer, gemessen an der Dringlichkeit, kleinen Grazer Gruppe? Wie divers ist die Gruppe und erreicht sie derzeit überhaupt jene Menschen mit denen sie sich solidarisch zeigen will? Und wie hängt der ökologische mit einem möglichen Kollaps der Demokratie zusammen?
Außerdem geht es um gemeinsame Trauerverarbeitung, das Konzept der „Deep Adaptation“ (nach Jem Bendell), sowie Vernetzung über Graz hinaus – etwa beim Kollapscamp in Deutschland.
Shownotes:
Hier findet ihr aktuelle Termine des Kollaps-Cafés in Graz.
Hier findet könnt ihr nachlesen was genau mit Deep Adaptation gemeint ist.








